Die Göttinger Gruppe
Die "Göttinger Gruppe"- einer der größten Finanzsk
Die Göttinger Gruppe ist ein Finanzkonzern, unter dessen Dach eine Reihe von Unternehmen zusammengefügt sind. Das Herzstück der Unternehmensgruppe ist die Securenta AG. Diese ist nun zahlungsunfähig. Am 7. Juni 2007 hat sie einen Insolvenzantrag gestellt. Damit müssen weit über 100.000 Anleger um ihr Erspartes bangen, das sie bei der Securenta AG angelegt haben. Der Gesamtschaden wird schon jetzt etwa eine Milliarde Euro geschätzt, und wenn sich die Befürchtungen bewahrheiten, wird es der größte Finanzskandal in der Bundesrepublik werden. Verkaufsschlager der Securenta AG war die „Securente“, die bundesweit seit den 1990er Jahren vertrieben wurde. Den Anlegern verkaufte man diese famose Kapitalanlage als vermeintlich sichere Altersvorsorge. Tatsächlich war es das Gegenteil. Die Verlustmanager der Göttinger Gruppe, die mit den Einlagen ihrer ahnungslosen Anleger zunächst einmal ihre persönlichen Vergütungen verlässlich organisierten, hatten ein kompliziertes Vertragskonstrukt entworfen. Die Anleger schlossen danach mit der Securenta AG als sog. stille Gesellschafter einen Vertrag ab, demzufolge sie sich verpflichteten, Einlagen (durch Einmalzahlungen, Raten oder einer Kombination) zu erbringen. Diese Einlagen sollten mit 7% jährlich verzinst werden. Später sollte die Einlage zuzüglich der Zinsen dem Anleger als „Rente“ ausgezahlt werden. Damit hätte das Produkt die staatliche Rente um Längen geschlagen, zumal die Einlagen steuerlich abgesetzt werden konnten. Schon bald fragten sich Anlegerschützer, wie die Manager bei den hohen Kosten, die sie produzierten, eine Rendite von 7% für die Anleger erwirtschaften wollten. Denn es verblieb bei der jeweiligen Gesellschaft so gut wie keine Liquidität, um das Geld gewinnbringend für die Anleger zu verwenden. Tatsächlich hatte schon das damalige Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen darauf hingewiesen, dass die Investitionsquote der Göttinger Gruppe im „Segment IV“ Null sei und im Segment VI gerade einmal 11%. Das aber bedeutete auch, dass das ganze Konzept der Securente völlig unschlüssig war, denn mit Null Liquidität kann eben nichts erwirtschaftet werden.
Ein weiteres Mal wird der sog. Graue Kapitalmarkt nunmehr von einem Finanzskandal heimgesucht und man kann, ohne eine Prophet zu sein, vorhersagen, dass es nicht der letzte sein wird. Der Schutz vor Anlagebetrügern ist in Deutschland völlig unzureichend, und der Staat nimmt es in Kauf, obwohl längst klar und eindeutig ist, dass der Anlagebetrug eine Ausprägung der Organisierten Kriminalität ist. Jährlich werden Milliardenbeträge beim privaten Anlegerpublikum mit kriminellen Anlageangeboten abgeschöpft. Den Initiatoren solcher Anlagemodelle wird es in jeder Hinsicht leicht gemacht. Es gibt keine staatlichen Kontrolle. Aber was speziell die Göttinger Gruppe anbelangt, steht auch die Justiz in der Kritik. In den Securenta-Fällen hat das zuständige Oberlandesgericht Braunschweig Schadensersatzklagen von geprellten Anlegern zunächst reihenweise abgewiesen. Für die Manager der Göttinger Gruppe war es damit ein Leichtes, den Großteil der Anleger einzuschüchtern und sie von weiteren Klagen abzuhalten. Erst durch Entscheidungen des Bundesgerichtshofes in den Jahren 2004 und 2005 wendete sich das Blatt. Denn der BGH hat klargestellt, dass dem Anleger gegen die Securenta AG ein Schadensersatzanspruch zusteht, wenn er vom Vermittler nicht ordnungsgemäß über das Anlageprodukt aufgeklärt wurde, was praktisch in keinem Fall geschah. Einmal mehr kamen die höchstrichterlichen Entscheidungen jedoch zu spät. Denn als sie jetzt vollstreckt werden sollten, fehlte der Securenta AG das Geld.
Rechtsanwalt Dr. Klaus Märker
Kanzlei Dr. Fricke & Partner, Freiburg
(Weitergehende Ausführungen zu diesem Thema können Sie nachlesen in dem von Dr. Klaus Märker verfassten Buch „Haftung und Rückabwicklung bei fehlgeschlagenen Kapitalanlagen“, welches im Verlag Karl Alber in Freiburg erschienen und im Buchhandel erhältlich ist.)